In meinem letzten Projekt hatte ich es mit einem „übermächtigen“ Implementierungspartner zu tun, also einer Firma, die aufgrund ihrer schieren Größe und Marktmacht sich leicht über die Interessen ihrer „kleinen Kunden“ hinwegsetzen kann. Außerdem achten diese Unternehmen auch peinlich genau darauf, rechtlich nicht angreifbar zu sein – und sei es, dass sie den Auftrag gar nicht annehmen, wenn Vertragskonditionen nicht ihren wasserdichten AGBs entsprechen. Einfaches Beispiel: Vertragsstrafen werden grundsätzlich nicht akzeptiert, ergo hat man als Kunde bei Verzügen kaum Handhaben oder Hebel.

So ging es auch uns, und das Projekt startete auf Lieferantenseite gleich mal mit zwei Wochen Verspätung. Zunächst sah es so aus, als müssten wir halt eine Verschiebung aller Meilensteine hinnehmen. Wir haben es dennoch geschafft, den großen Partner zu für ihn ungewöhnlichen Anstrengungen und Ressourcen-Einsätzen zu bringen, so dass der Rückstand in der verbleibenden Zeit tatsächlich aufgeholt wurde.
Wie? Nun, wir waren einfach immer ein bis zwei Schritte voraus. Unsere Arbeiten und Beistellungen wurden absolut plangerecht geliefert. Immer wieder haben wir den Lieferanten zur Prüfung aufgefordert, ihm Testdaten geschickt, ihn unter Zugzwang gesetzt. Zwingen konnten wir ihn zu nichts, aber offenbar ging dieses Treiben der Fortschritte an sein Selbstverständnis und den Ehrgeiz des Implementierungsteams.
Wir sind jedenfalls so nach anfänglich holprigem Start und viel bürokratischem Ping-Pong zu einem gemeinsamen Team zusammen gewachsen, das auch einige Male an manche Vorschrift „biegend“ das „Unmögliche“ in gegenseitiger Absprache möglich gemacht hat. Ein schöner Erfolg!
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Die Probleme sind nicht das Hauptproblem
Warten verbrennt Geld und Vertrauen! Handeln Sie also frühzeitig, also bevor das Projekt richtig vor der Wand (Meilenstein, Pönale usw.) steht. Je früher Sie die Probleme erkennen und angehen, desto geringer sind Ihre Verluste. Und Sie haben dann auch meist noch mehr Handlungsoptionen bzw. Verhandlungsmasse.
Nachhaltiger Change zur Vorbeugung
Nicht von ungefähr hat der Report auch in diesem Jahr wieder den Untertitel „Die hohen Kosten schlechter Performanz„, denn die statistische Häufigkeit von Projekten, die ihre Zeit-, Kosten- und/oder Nutzenziele nicht oder nur zum Teil erreichen, ist leider auf dem hohen Niveau des Vorjahres nahezu stehen geblieben.
Kein Einzelfall, wie die Erfahrung zeigt
Unterschiedliche Behandlung von Krisen in Unternehmen vs. Projekten
Bei der Öffentlichen Hand sind die Probleme meist schon „im System“ vorprogrammiert. Die Vorschriften, z.B. VOB und HOAI, regeln Ausschreibung und Vergabe bis ins Kleinste. Danach sollen Projekte nach Vertrag laufen. Projektmanagement existiert häufig gar nicht oder ist auf Koordination ohne Kompetenzen begrenzt. Meist wird es mit an den Auftragnehmer vergeben. Die Vorschrifts-Gläubigkeit wäscht von allen Unzulänglichkeiten außerhalb der Vorschriften rein und verstellt eigenverantwortlichen Verbesserungsinitiativen den Weg. Da muss schon ein ganz prominenter „Sündenfall“, hoch politisch oder „too big to die“, her und mit einem ganz prominenten „Krisenmanager“ aus dem politischen Umfeld verdonnert werden, damit grundlegende Weichenstellungen erfolgen. Dessen eigene Kompetenz als Projektsanierer lasse ich hier einmal offen…